Während die Niederösterreichische Landesregierung lautstark politische Auseinandersetzungen mit Wien führt, setzt sie die Gesundheitsversorgung der eigenen Bevölkerung sehenden Auges aufs Spiel. Seit 1. Jänner 2026 wird für Bürgerinnen und Bürger unübersehbar, was die Maßnahmen eines aus Steuergeldern finanzierten, rund 50-köpfigen „Expertenteams“ tatsächlich bedeuten: Versorgungslücken, organisatorisches Chaos und eine konkrete Gefährdung der Menschen im ländlichen Raum.
Entgegen den im Gesundheitspakt 2040+ getroffenen Vereinbarungen, das Landesklinikum Gmünd in seinem Betrieb unangetastet zu lassen, wird der Standort schrittweise, aber rigoros heruntergefahren. Ohne Auffangnetz. Ohne funktionierendes Alternativkonzept. Ohne Gewährleistung einer durchgehenden, wohnortnahen Versorgung.
Gleichzeitig werden lebenswichtige Sekundärtransporte an den Billigstbieter vergeben – an einen Anbieter, der, wie sich nun zeigt, keine flächendeckende Versorgung sicherstellen kann. Die Ausschreibung war offenbar so mangelhaft definiert, dass selbst das Rotes Kreuz kein Angebot legen konnte. Umso befremdlicher ist es, dass den Verantwortlichen nicht bewusst war, dass sich durch die politisch forcierte Zentralisierung der Spitalsleistungen zwangsläufig die Zahl der Sekundärtransporte erhöht.
Nun zeigt sich Anton Kasser empört über die Leistung der Johanniter-Unfall-Hilfe – Transporte müssten funktionieren, lautet der Vorwurf. Gleichzeitig fordert der Sebastian Stark den raschen Aufbau eines Johanniter-Stützpunkts im Waldviertel. Doch auch hier bleiben zentrale Fragen unbeantwortet: Ist sichergestellt, dass Errichtung und Betrieb dieses Stützpunkts nicht aus öffentlichen Mitteln finanziert werden? Bleiben die angebotenen – und für die Vergabe maßgeblichen – günstigen Konditionen für die Transporte auch dann aufrecht, wenn zusätzliche Infrastruktur aufgebaut werden muss? Vor allem aber: Wie soll die Versorgung der Bevölkerung bis zur tatsächlichen Inbetriebnahme eines solchen Stützpunkts sichergestellt werden? Wo konkret ist dieser geplant – und bis wann soll er real verfügbar sein?
Besonders widersprüchlich ist diese Debatte vor dem Hintergrund, dass im Bezirk Gmünd gleichzeitig der Nachtdienst von zwei Rot-Kreuz-Dienststellen, zum Teil ehrenamtlich besetzt, gestrichen werden soll. Acht Gemeinden in den Bezirken Gmünd und Waidhofen wären betroffen. Bestehende, funktionierende Strukturen werden damit gezielt abgebaut. Zwar entsteht in Gmünd derzeit eine große neue Rot-Kreuz-Dienststelle, doch ersetzt diese nicht die wohnortnahen Stützpunkte in der Fläche. Was hier geschieht ist kein Ausbau der Versorgung, sondern eine Zentralisierung auf Kosten der Erreichbarkeit – zugunsten eines Systems, das schon jetzt sichtbar an seine Grenzen stößt.
Nahezu zeitgleich entrüstet sich die Landesgesundheitsagentur öffentlich darüber, dass Patientinnen und Patienten ihrem Unmut über stundenlange Wartezeiten, Schmerzen und die Angst vor möglichen Folgeschäden teils ungehalten Ausdruck verleihen. Für das Personal vor Ort ist diese Situation hochbelastend – zugleich ist sie Ausdruck einer Überforderung, die aus unzureichender Versorgungssicherheit resultiert.
Erneut zeigt sich eine problematische Verschiebung der Verantwortung: Die aktuellen Missstände sind keine zufällige Entwicklung sondern das direkte Ergebnis von Anordnungen und strukturellen Entscheidungen der Landesgesundheitsagentur selbst. Kritisiert werden in der Folge jedoch die Patientinnen und Patienten, während jene, die diese Entscheidungen getroffen haben, Verantwortung von sich weisen. Wer glaubt, ein ohnehin massives Personalproblem auf diese Weise lösen zu können, ist auf dem Holzweg – und verschärft die Lage weiter.
Besonders alarmierend ist zudem, was aus den Waldviertler Kliniken zunehmend zu hören ist: Immer öfter äußert auch das Klinikpersonal intern Kritik an den geplanten und bereits umgesetzten Maßnahmen. Diese Einwände werden jedoch – so wird übereinstimmend berichtet – rasch unterbunden. Eine offene fachliche Diskussion findet kaum statt, stattdessen entsteht der Eindruck, dass berechtigte Sorgen mundtot gemacht werden sollen. Für eine Reform, die angeblich auf Expertise und Transparenz beruht, ist das ein fatales Signal.
Im Bezirk Gmünd betrifft diese Politik rund 35.516 Menschen – ca. 45 Einwohner pro Quadratkilometer (zum Vergleich: Waidhofen/Thaya 25.350 Einwohner – ca. 38 EW/km2; Zwettl 41.528 Einwohner – ca. 30 EW/km2), deren Grundrecht auf eine wohnortnahe, solidarisch finanzierte und jederzeit verfügbare Gesundheitsversorgung massiv eingeschränkt wird. Vorhandene Strukturen werden zurückgebaut, während neue Konzepte angekündigt werden, deren Umsetzbarkeit, Finanzierung und zeitliche Verfügbarkeit ungeklärt bleiben.
Die entscheidenden Fragen bleiben unbeantwortet:
Wer stellt sicher, dass die Versorgung gewährleistet ist?
Wer übernimmt Verantwortung für Risiken und Folgeschäden?
Die Zeit der Ausreden ist vorbei.
Die Zeit der Beschwichtigung ebenso.
Es geht um Menschen. Und es geht um Leben.
Last Updated: 18.01.2026
Der Wolf im Schafspelz: Jetzt wird das Versagen sichtbar
Während die Niederösterreichische Landesregierung lautstark politische Auseinandersetzungen mit Wien führt, setzt sie die Gesundheitsversorgung der eigenen Bevölkerung sehenden Auges aufs Spiel. Seit 1. Jänner 2026 wird für Bürgerinnen und Bürger unübersehbar, was die Maßnahmen eines aus Steuergeldern finanzierten, rund 50-köpfigen „Expertenteams“ tatsächlich bedeuten: Versorgungslücken, organisatorisches Chaos und eine konkrete Gefährdung der Menschen im ländlichen Raum.
Entgegen den im Gesundheitspakt 2040+ getroffenen Vereinbarungen, das Landesklinikum Gmünd in seinem Betrieb unangetastet zu lassen, wird der Standort schrittweise, aber rigoros heruntergefahren. Ohne Auffangnetz. Ohne funktionierendes Alternativkonzept. Ohne Gewährleistung einer durchgehenden, wohnortnahen Versorgung.
Gleichzeitig werden lebenswichtige Sekundärtransporte an den Billigstbieter vergeben – an einen Anbieter, der, wie sich nun zeigt, keine flächendeckende Versorgung sicherstellen kann. Die Ausschreibung war offenbar so mangelhaft definiert, dass selbst das Rotes Kreuz kein Angebot legen konnte. Umso befremdlicher ist es, dass den Verantwortlichen nicht bewusst war, dass sich durch die politisch forcierte Zentralisierung der Spitalsleistungen zwangsläufig die Zahl der Sekundärtransporte erhöht.
Nun zeigt sich Anton Kasser empört über die Leistung der Johanniter-Unfall-Hilfe – Transporte müssten funktionieren, lautet der Vorwurf. Gleichzeitig fordert der Sebastian Stark den raschen Aufbau eines Johanniter-Stützpunkts im Waldviertel. Doch auch hier bleiben zentrale Fragen unbeantwortet: Ist sichergestellt, dass Errichtung und Betrieb dieses Stützpunkts nicht aus öffentlichen Mitteln finanziert werden? Bleiben die angebotenen – und für die Vergabe maßgeblichen – günstigen Konditionen für die Transporte auch dann aufrecht, wenn zusätzliche Infrastruktur aufgebaut werden muss? Vor allem aber: Wie soll die Versorgung der Bevölkerung bis zur tatsächlichen Inbetriebnahme eines solchen Stützpunkts sichergestellt werden? Wo konkret ist dieser geplant – und bis wann soll er real verfügbar sein?
Besonders widersprüchlich ist diese Debatte vor dem Hintergrund, dass im Bezirk Gmünd gleichzeitig der Nachtdienst von zwei Rot-Kreuz-Dienststellen, zum Teil ehrenamtlich besetzt, gestrichen werden soll. Acht Gemeinden in den Bezirken Gmünd und Waidhofen wären betroffen. Bestehende, funktionierende Strukturen werden damit gezielt abgebaut. Zwar entsteht in Gmünd derzeit eine große neue Rot-Kreuz-Dienststelle, doch ersetzt diese nicht die wohnortnahen Stützpunkte in der Fläche. Was hier geschieht ist kein Ausbau der Versorgung, sondern eine Zentralisierung auf Kosten der Erreichbarkeit – zugunsten eines Systems, das schon jetzt sichtbar an seine Grenzen stößt.
Nahezu zeitgleich entrüstet sich die Landesgesundheitsagentur öffentlich darüber, dass Patientinnen und Patienten ihrem Unmut über stundenlange Wartezeiten, Schmerzen und die Angst vor möglichen Folgeschäden teils ungehalten Ausdruck verleihen. Für das Personal vor Ort ist diese Situation hochbelastend – zugleich ist sie Ausdruck einer Überforderung, die aus unzureichender Versorgungssicherheit resultiert.
Erneut zeigt sich eine problematische Verschiebung der Verantwortung: Die aktuellen Missstände sind keine zufällige Entwicklung sondern das direkte Ergebnis von Anordnungen und strukturellen Entscheidungen der Landesgesundheitsagentur selbst. Kritisiert werden in der Folge jedoch die Patientinnen und Patienten, während jene, die diese Entscheidungen getroffen haben, Verantwortung von sich weisen. Wer glaubt, ein ohnehin massives Personalproblem auf diese Weise lösen zu können, ist auf dem Holzweg – und verschärft die Lage weiter.
Besonders alarmierend ist zudem, was aus den Waldviertler Kliniken zunehmend zu hören ist: Immer öfter äußert auch das Klinikpersonal intern Kritik an den geplanten und bereits umgesetzten Maßnahmen. Diese Einwände werden jedoch – so wird übereinstimmend berichtet – rasch unterbunden. Eine offene fachliche Diskussion findet kaum statt, stattdessen entsteht der Eindruck, dass berechtigte Sorgen mundtot gemacht werden sollen. Für eine Reform, die angeblich auf Expertise und Transparenz beruht, ist das ein fatales Signal.
Im Bezirk Gmünd betrifft diese Politik rund 35.516 Menschen – ca. 45 Einwohner pro Quadratkilometer (zum Vergleich: Waidhofen/Thaya 25.350 Einwohner – ca. 38 EW/km2; Zwettl 41.528 Einwohner – ca. 30 EW/km2), deren Grundrecht auf eine wohnortnahe, solidarisch finanzierte und jederzeit verfügbare Gesundheitsversorgung massiv eingeschränkt wird. Vorhandene Strukturen werden zurückgebaut, während neue Konzepte angekündigt werden, deren Umsetzbarkeit, Finanzierung und zeitliche Verfügbarkeit ungeklärt bleiben.
Die entscheidenden Fragen bleiben unbeantwortet:
Wer stellt sicher, dass die Versorgung gewährleistet ist?
Wer übernimmt Verantwortung für Risiken und Folgeschäden?
Die Zeit der Ausreden ist vorbei.
Die Zeit der Beschwichtigung ebenso.
Es geht um Menschen. Und es geht um Leben.
Kategorie: Politik
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